Berlin. Erst berichtet die Welt am Sonntag in ihrem 'Pflegereport' über „Korruption und Betrug“ in deutschen Heimen, dann zeigt der Bayerische Rundfunk einen erschreckenden Film über die Zwangsschließung eines Heims und schließlich rechnet die ARD-Sendung Plusminus (vom 12.10.2011) vor, wie die vielen Heime kommunale Finanzen ruinieren.
In Anbetracht der gehäuften Berichte über die Folgen der massenhaften 'Heimsuchung' in unserem Land fordert der Bundesverband Europäischer Betreuungs- und Pflegekräfte (BEBP e. V.) gemeinsam mit Deutschlands bekanntestem Pflegekritiker Claus Fussek Politik und Gesellschaft dazu auf, endlich umzudenken. Larisa Dauer, 2. Vorsitzende des BEBP e. V.: „Statt immer mehr Heimen brauchen wir eine Rückkehr zur quartiersbezogenen Altenarbeit, zur bezahlbaren Tagespflege, zur heimischen Betreuung, zu Gemeindeschwestern und vernetzten Nachbarschaften.“ Wie ein solches Netzwerk funktionieren kann, zeigt das Demenz-Projekt 'Weiter Denken' im Nordrhein-Westfälischen Arnsberg. Zentraler Bestandteil ist die Aufforderung an alle Arnsberger, zu überlegen, wie man selbst etwas tun kann. Jeder, der eine gute Idee hat, kann sich dabei mit einem Antrag auf Fördermittel bewerben.
Nach Auffassung von Claus Fussek müssten Städte konsequent solche Initiativen anschieben und unterstützen: „Statt dessen sind für viele Kommunen Heime noch immer der bequemste Weg, um pflegebedürftige Menschen zu versorgen. Die Pflege zu Hause bezuschussen Pflegekassen und Kommunen im Schnitt mit ca. 5.400 Euro pro Person und Jahr. Dagegen ist der Zuschuss für den Heimplatz mit ca. 17.900 Euro mehr als drei Mal so hoch.“ Empörend findet Fussek die Tatsache, dass „die Politik mit ihrer jahrelangen wirtschaftlichen Förderung von Pflegeheimen den Wunsch von 90 Prozent der älteren Menschen ignoriert.“ Dieser Wunsch lautet, bis zum letzten Tag in den eigenen vier Wänden zu leben. Möglich wird das nur, indem die Aufgaben von Pflege und Betreuung auf mehrere Schultern verteilt werden.
Das ist auch erklärtes Ziel des vom BEBP e.V. initiierten „Bündnis für Pflege und Betreuung“, in dem sich alle an diesen Aufgaben beteiligten Parteien zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit verpflichten. „Pflege geht uns alle an. Angehörige, gesetzliche Betreuer, Ärzte sowie Pflegekräfte dürfen Missstände in der Pflege nicht dulden, sondern müssen sie offen ansprechen, denn nur dann können Verbesserungen durchgesetzt werden. Zudem müssen die teilweise würdelosen Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte möglichst schnell verbessert werden, um motivierte und zuverlässige Pflege in Deutschland zu ermöglichen“, unterstreicht Fussek diese Forderung.
